Andreas Von Gunten

Ich mag Bücher und das Internet. Deshalb versuche ich derzeit mit «buch & netz», einem Buch & Online Verlag, zu zeigen, dass es sinnvoll ist, Bücher unter einer Creative Commons Lizenz ins Web zu publizieren und diese gleichzeitig in allen anderen Formaten, die sich die Lesenden wünschen, anzubieten; ja auch gedruckt. Vorher habe ich PARX, mediaparX und Partekk mit-gegründet, und war zuletzt als Geschäftsführer bei Blogwerk im Einsatz. Zwischendurch werde ich eingeladen, um zu Cloud Computing, Social CRM, Content Marketing, Creative Commons, Free Culture oder den Wandel im Buchmarkt zu sprechen und zu diskutieren. Ich bin leidenschaftlich verzettelt, Mitglied der Piratenpartei, studiere Philosophie an der Open University, habe wohl eine Disposition zum Messie, bin davon überzeugt, dass wir dazu verplichtet sind Empathiefähigkeit und kritisches Denken zu trainieren, und finde dass das Leben zu kurz ist, um offline zu sein.

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Donnerstag
Apr122012

Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» in der Schweiz lanciert

Heute wird die Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» lanciert. In den nächsten 18 Monaten müssen die 100'000 Unterschriften gesammelt werden um das Begehren zur Abstimmung zu bringen. Ich gehe davon aus, dass dies mühelos gelingen wird und freue mich auf die vielen Diskussionen, die diese Initiative inspirieren wird. 

Obwohl die meisten Teilnehmenden der letzten Wochendebatte der «Tages Woche» die Idee offenbar begrüssen, habe ich eher den Eindruck, dass eine grosse Mehrheit dem Anliegen eher skeptisch bis ablehnend gegenüber steht. Interessant ist dabei vor allem auch, dass der klassische Links-Rechts Gegensatz bei dieser Frage nicht wirklich zum Tragen zu kommen scheint. Auf beiden Seiten gibt es vehemente Befürworter und Gegner.

Auch ich habe zwei Seelen in meiner Brust und kann mich noch nicht wirklich festlegen. Ich sehe allerdings zuerst einmal die vielen guten Argumente die für eine solche Lösung sprechen, Philip Wampfler macht in seinem Blog auf einige Einwände die dagegen jeweils vorgebracht werden aufmerksam. Auf jeden Fall aber, ist das bedingungslose Grundeinkommen eine Idee, die es Wert ist, ausführlich geprüft und diskutiert zu werden. 

Auf der Website bedingungslos.ch gibt es die Unterschriftenbogen zum download oder zum bestellen, und am kommenden Samstag findet im Schiffbau ein öffentliches Fest zur Lancierung der Initiative statt. Wer sich intensinver mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei die Website grundeinkommen.ch empfohlen und wer etwas Zeit hat schaut sich das Video mit dem Vortrag von Götz Werner an der re:publica 2010 an:

Frühere Beiträge zum Thema «bedingungsloses Grundeinkommen»:

 

Mittwoch
Apr112012

Schweizer Creative Commons 3.0 Lizenzen verfügbar

Was lange währt... Die auf Schweizer Verhältnisse angepassten 3.0er Versionen der Creative Commons Lizenzen sind nun verfügbar.

Creative Commons ist die vorläufig beste Antwort auf die Frage wie Inhalteanbieter und Nutzer gleichermassen von den Möglichkeiten des Netzes innerhalb des bestehenden Urheberrechtsrahmens profitieren können. Jeder, der digitale Inhalte produziert, sollte diese nach Möglichkeit unter einer CC Lizenz in Netz publizieren und alle Inhalte, deren Entstehungskosten bereits durch die Öffentlichkeit finanziert wurden, sollten auch unter dieser Lizenz veröffentlicht werden.

Weitere Infos zu den neuen Schweizer Creative Commons Lizenzen bei Martin Steiger.

Samstag
Mrz172012

Telenoid - ein etwas gruseliger Telepresence Roboter

Prof. Hiroshi Ishiguro ist Direktor des Intelligent Robotics Laboratory der Universität Osaka. Er hat mit der Kopie seiner selbst einige Berümtheit auch ausserhalb der Szene erlangt. Seine Roboter sind allerdings nicht Roboter im allgemein verstandenen Sinne, also technische Einheiten, die selbständig kommunizieren oder sich autonom bewegen können, sondern eher Avatare, die möglichst viel dessen, was wir als "menschlich" empfinden, vermitteln können.

Neben den möglichst nahe am Menschen entwickelten Typen wie dem Geminoid HI-2 und der weiblichen Version Geminoid F, haben Hiroshi Ishiguro und sein Team mit dem Telenoid auch eine Art Kommunikationspuppe entwickelt, die allerdings eher unseren Vorstellungen von Ausserirdischen aus Science-Fiction Filmen ähnelt.

Der Telenoid ist seit seiner Lancierung vor etwa 2 Jahren, eine gerne gezeigte Attraktion an Konferenzen und Ausstellungen, und soll eine Art Weiterentwicklung des Telefons darstellen, welche neben der Sprache auch einen Teil der körperlichen Präsenz übertragen und vermitteln können soll.

Naja, ich denke nicht, dass dieses eher gruselige Ding die Welt erobern wird. Auch kann ich mir kaum Vorstellen, dass sich Grosseltern an solchen Gummipuppen-Enkeln erfreuen werden. Genau dies ist aber einer der jeweils genannten Einsatzgebiete, wenn die Macher nach dem Sinn der Übung gefragt werden.

Es gibt einige Videos mit dem Telenoid im Netz, hier eines von der Ars Eletrconica 2010:

 

Mittwoch
Mrz072012

Das «dirty little Secret» der Buchbranche und wer eigentlich Interesse an der Buchpreisbindung hat.

Wir stehen nun also ein paar Tage vor der Entscheidung ob in der Schweiz die Buchpreisbindung eingeführt wird oder nicht. Ich finde dieses Gesetz vor allem falsch, weil es all das, was die Befürworter versprechen, nähmlich die Förderung des Kulturgutes Buch und des Schweizer Literaturschaffens nicht unterstützt, sondern verhindert.

Mir und vielen anderen Gegnern dieses Gesetzes geht es doch nicht darum, dass irgendein Bestseller beim Ex-Libris ein paar Franken günstiger eingekauft werden kann. Nein, man kann auch gegen dieses Gesetz sein, weil man genau das erreichen will, was das Gesetz verspricht. Ich will Vielfalt, Vielfalt der Werke, der Autoren, der Verlage, der Distributionsprozesse, der Buchhändler und der Verkaufsstellen, weil nur eine solche Vielfalt eine reiche Kultur des Buches und der Autoren hervorbringen kann.

Die Buchbranche ist in den letzten 20 Jahren eine stark zentralisierte Branche geworden, und die Buchpreisbindungsgesetze fördern genau diese Zentralisierungstendenzen.

Ich weiss den Brancheninsidern ist das bewusst, aber für die anderen vielleicht interessant zu wissen, dass zum Beispiel die Verlage S. Fischer, Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch (KiWi), Argon, Droemer Knaur, Macmillan, J.B. Metzer und einige weitere zur Verlagsgruppe von Holtzbrinck gehören, dass die Verlagsgruppe Random House, die wiederum zu 100% Bertelsmann gehört, mehr als 200 Verlage besitzt und dass auch der Ullstein Verlag mittlerweile ein kleiner Buchkonzern ist, der Verlage wie Econ und Propyläen unter seinem Dach vereinigt.

Es ist zwar schon richtig, dass es viele kleine Verlage und viele kleine Buchhandlungen gibt, die um das Überleben kämpfen. Aber der Grund dafür ist nicht die fehlende Preisbindung, sondern der Umstand, dass sich die Welt verändert. Diesen Veränderungsprozess machen sich derzeit vor allem die globalen und einzig dem Kapitalertrag verpflichteten Konzerne zu nutzen. Diese Konzerne, die es nicht nur auf der Verlagsseite, sondern auch auf der Handelsseite gibt, tun so, als ob sie kleine nette Verlagshäuser oder Buchhändler wären. 

Wer von den Kunden weiss zum Beispiel, dass die Buchhandlung Stauffacher in Bern eigentlich eine Filliale von Thalia Schweiz ist und zu 100% zur Thalia Gruppe gehört? Selbst auf der Website von Stauffacher wird in der Fusszeile von der Stauffacher Buchhandlungen AG gesprochen, obwohl es diese Firma seit 2009 nicht mehr gibt, da sie mit Thalia fusioniert wurde. Auch im Impressum steht nichts von Thalia. Auf der Website von Thalia Schweiz findet man wiederum keine Angaben darüber, welche Buchhändler eigentlich zur Gruppe gehören. Thalia wiederum gehört übrigens zum weltweiten Parfüm-Handelskonzern namen Douglas Holding. Honi soit qui mal y pense.

Wenn wir diese Strukturen betrachten ist auch klar, warum soviel Geld für die Ja Parole in die Abstimmungskampagne gepumpt wird. Es war noch nie so, dass bei Verbänden und politischer Lobbyarbeit die kleinen Player eines Marktes eine gewichtige und laute Stimme gehabt hätten. Und es ist kaum vorstellbar, dass sich diese grossen Konzerne der Buchbrache für die Preisbindung stark machen, weil sie die kleinen Buchhändler oder die Schweizer Autoren retten wollen. Nein, dass einzige was die Manager dieser Unternehmen ausbauen wollen, sind gesetzlich geschützte fette Margen.

Dieses Gesetz sollte es angenommen werden, macht die grossen Konzerne noch mächtiger, und bindet die kleinen Verleger und Buchhändler, deren einzige Chance noch Agilität und Innovationspotential wäre, an Ketten.

Wer das Buch liebt, wer die Autoren und die kleinen Buchhandlungen vor dem Zugriff von Grosskonzernen und Managern, die sich wenig um Inhalte, sondern vor allem um die Rendite für die Aktionäre kümmern, schützen will, sagt am Sonntag "NEIN" zur Buchpreisbindung in der Schweiz.

(Text: CC BY-SA 3.0, Bild: © felix - Fotolia.com)

Dienstag
Mrz062012

Verwaiste Bücher - Frankreichs zentralistische Lösung ist kein Vorbild

Verwaiste Bücher sind die Bücher, deren Urheberrechtsschutz noch nicht abgelaufen ist, die aber nicht mehr verfügbar sind und für die es meistens auch nur sehr schwer möglich ist, herauszufinden wo die Verwertungsrechte liegen. Es handelt sich dabei um den grössten Teil aller jemals gedruckten Bücher des 20. Jahrhunderts, und es ist äusserst schade, dass diese Bücher in der Regel nicht online verfügbar gemacht werden können, obwohl niemand einen finanziellen Schaden davon tragen würde.

Google hat mit ihrer Google Books Initiative versucht diesen kulturellen Schatz zu heben, ist aber am Widerstand der Autoren und der Verwertungsindustrie gescheitert. Dass der Vertrag zwischen Google und den Autorenvereinigungen nicht zu stande gekommen ist, ist wohl nicht schlecht, denn mit diesem Vertrag wäre Google exklusiver Anbieter dieser Bücher geworden.

Exklusivität im Bezug auf den Zugang zu Kulturgütern die eigentlich im Überfluss vorhanden wären ist immer schlecht, egal ob sie von Google oder vom Staat beansprucht wird. Darum ist auch die aktulle Lösung, die der französische Staat vorsieht eine schlechte Lösung. Frankreich will mehr oder weniger das umsetzen, was Google als Diebstahl vorgeworfen wurde. Die Bücher sollen gescannt und dann via kostenpflichtige Plattform verfügbar gemacht werden. Der einzige Unterschied ist der, dass die Einnahmen von einer Verwertungsgesellschaft verteilt werden sollen.

Diese Lösung ist darum schlecht, weil sie nicht darauf ausgerichtet ist dafür zu sorgen, dass möglichst viele Bücher, mit denen schon seit Jahren niemand mehr Geld verdient notabene, einfach zugänglich gemacht werden, sondern darauf wie diese finanziell ausgeweidet werden können. Dabei wird mit grosser Wahrscheinlichkeit viel Geld aufgewendet werden, damit diese Bücher kopiergeschütz werden können. Dadurch werden sie weiterhin verschlossen bleiben statt verlinkbar ins Netz zu finden sein. Kommt dazu, dass ein grösser Teil der Einnahmen für den Betrieb der Plattform und den Verwaltungsaparat aufgewendet werden muss.

Ich habe mich noch nicht schlau machen können, wer sich in der Schweiz um die Frage der verwaisten Bücher kümmert, aber ich nehme an, dass Thema wird beim IGE und evtl. auch bereits im SBVV disktutiert werden. Auf jeden Fall hoffe ich, dass dort nicht Frankreich zum Vorbild genommen wird.

Aus meiner Sicht könnte eine sinnvolle Lösung für verwaiste Bücher in etwa so aussehen:

1) Die Schweizerische Nationalbibliothek betreibt einen einfachen Service in welchem jeder/jede nach Titeln recherchieren kann, und allenfalls ein Buch als möglicherweise verwaist melden kann. Möglicherweise verwaist wäre ein Buch, welches seit mehr als 10 Jahren nicht mehr verfügbar ist. Bücher die im antiquarischen Buchhandel gekauft oder in Bibliotheken ausgeliehen werden können, gelten nicht als verfügbar.

2) Jede/jeder interessierte kann die Neumeldungen nach ein paar Filtern wie Autor, Verlag, Erscheinungszeitraum elektronisch abonnieren.

3) Allfällige Rechteinhaber haben, nachdem ein Buchtitel als möglicherweise verwaist in die Datenbank des Service eingetragen wurde, 3 Monate Zeit sich zu melden und beim entsprechenden Titel einzutragen, dass sie die Verwertungsrechte beanspruchen.

4) Allfällige Rechteinhaber, die diese Verwertungsrechte auf diese Weise beanspruchen, müssen das entsprechende Buch innerhalb von maximal 6 Monaten wieder zu einem angemessenen, mit anderen Büchern vergleichbare Preis, verfügbar machen.

5) Wenn niemand nach 3 Monaten die Rechte beansprucht bzw. nach weiteren 6 Monaten das Buch nicht wieder verfügbar gemacht hat, werden die Inhalte des Buches entweder nach 3 oder nach 9 Monaten ab Datum der Eintragung in den Service der Public Domain zugeschrieben und in der DB des Services entsprechend markiert. Danach stehen diese Bücher allen zur freien Verfügung und niemand kann sie mehr einschliessen.

Natürlich müsste ein solcher Service der Landesbibliothek als Service Public betrieben werden und es müsste möglich sein, via API ganze Bibliographien als möglicherweise verwaist zu registrieren. Ich denke, dass wir auf diese Weise innert kürzester Zeit die gedruckten kulturellen Schätze des 20. Jahrhunderts gehoben hätten und diese der Gesellschaft wieder zugeführt hätten. Der Aufwand für den Staat wäre minimal, schaden entstünde niemanden, es gäbe nur Gewinner.

(Text: CC BY-SA 3.0, Bild: © photogl - Fotolia.com)

Montag
Mrz052012

NZZ Format Beiträge im Downloadshop ohne DRM

Seit letzter Woche bietet die NZZ einen Downloadshop für ihre NZZ Format Sendungen an. Das ist mir vor allem darum eine Notiz wert, weil die Filme ohne lästigen Kopierschutz, also ohne DRM (Digital Rights Management) angeboten werden. Viele Filme sind zwar noch nicht in einer Download-Version verfügbar, aber der Mut auf DRM zu verzichten und die Produktionen auf diese Weise zugänglich zu machen, ist auf jeden Fall lobenswert. Was jetzt noch fehlt, ist ein zusätzliches, werbefinanziertes Streamingangebot mit embeddable Videoplayer, das ganze Archiv online und vielleicht etwas weniger Schwarz auf der Website. Am schönsten wäre natürlich eine Creative Commons Lizenz für die Inhalte, aber ja ich weiss...ich träume weiter.

Sonntag
Mrz042012

Das Fundament für eine aufgeklärte Bürgerlichkeit - Beitrag zur AME Festschrift

Die Aargauische Maturitätsschule für Erwachsene, kurz AME feiert dieses Jahr ihren 20sten Geburtstag. Ich hatte das Glück bereits im zweiten Zug, in der Klasse 2b von 1992 bis 1996, an dieser wichtigen Institution der Erwachsenenbildung lernen zu dürfen. Für die Festschrift, die anlässlich der Jubiläumsfeier gedruckt wurde, wurden die Ehemaligen eingelalden, einen Beitrag zu leisten. Ich finde es nach wie vor wichtig und richtig, dass neben den fachlichen Weiterbildungsmöglichkeiten auch Insitutionen wie die AME, die eine grundlegende Allgemeinbildung vermitteln, gefördert und unterstützt werden. Die komplette Festschrift ist auf der Website des Vereins der Ehemaligen und Studierenden der AME zum download verfügbar

Das Fundament für eine aufgeklärte Bürgerlichkeit (20.10.2011)

Kürzlich habe ich am „Denkfest” in Zürich eine Diskussion unter Wissenschaftsbloggern moderiert. Das „Denkfest” war ein Anlass mit mehr als 400 Teilnehmern, die sich 4 Tage lang dem kritischen Denken, der Wissenschaft und der intelligenten Unterhaltung widmeten. Es war ein spannendes, inspirierendes Wochenende.

Seit einiger Zeit bin ich Mitglied einer Lesegruppe in Zürich. Wir wählen ein Buch aus dem Kanon der Philosophieklassiker und diskutieren das Gelesene jeweils in 10 Sitzungen, zu welchen wir uns alle 2 Wochen treffen. Eine äusserst anregende Freizeitbeschäftigung, die mir immer wieder von neuem zeigt, wie grundverschieden die Welt doch betrachtet werden kann.

Diese beiden Beispiele aus meiner Lebensgestaltung sind nicht denkbar, ohne meine Ausbildung an der AME, genauso wenig wie die Möglichkeit, mich mit den Fragen unserer Zeit auseinander zu setzen und mich dazu äussern zu können.

Wer an einem beliebigen Tag eine sogenannte Qualitätszeitung aufschlägt, oder im Web die richtigen Blogs liest, wird mit den vielfältigsten Aspekten unserer eigenen Kultur- und Kulturgeschichte konfrontiert: Zellteilung, Französische Revolution, Deutscher Idealismus, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Grundlagen der Volkswirtschaft, usw. um nur einige wenige, zufällig ausgewählte Beispiele für Konzepte zu nennen, die man in den Grundzügen verstehen und einordnen können muss, um kritisch und mündig Anteil am Zeitgeschehen nehmen zu können.

Die Menschen, die in der Vergangenheit ihr Leben dafür riskiert und manchmal auch geopfert haben, uns die Freiheit zu sichern, den eigenen Verstand benützen zu dürfen, waren der Meinung, dass sich die Gesellschaft zum Besseren entwickelt, wenn die Ideen frei fliessen, wenn die Meinungen frei geäussert, wenn die Argumente frei ausgetauscht werden können. Diese Freiheit, denken und vor allem äussern zu dürfen, was man will, wird aber erst dann wirklich nützlich für die Gesellschaft, wenn sie auch gebraucht wird, und wenn sie auf einer soliden Grundlage steht. Deswegen war und ist eine breite Allgemeinbildung möglichst vieler Menschen zugleich Voraussetzung und Fundament für das gute Funktionieren einer offenen Gesellschaft. 

Man muss verstehen können, worum es geht, wenn über Gentechnologie-Patente oder den Atomausstieg diskutiert wird. Man muss einordnen können, wenn der Kauf von neuen Militärflugzeugen den Ausgaben für Kultur und Bildung gegenüber stehen. Kurz, man muss in der Lage sein, die Aussagen anderer zu interpretieren, sich eigene Gedanken dazu zu machen und diese Gedanken auch wieder zu äussern.

Ich war zwischen Juli 1992 und Januar 1996 Student an der AME und kann im Rückblick erkennen, dass die Entscheidung, die Matura auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen, wohl eine der wichtigsten Weichenstellungen in meinem Leben war.

Obwohl ich dann zwar an der Open University, einer Fernuniversität in Grossbritanien, studiert habe, einer Institution, bei welcher ich mich auch ohne Maturitätsabschluss hätte einschreiben können, möchte ich keine Sekunde dieser allgemeinen Grundbildung an der AME missen.

Das an der AME Gelernte erlaubte es mir, mich selbstbewusst und mündig in dieser Welt weiter zu entwickeln. Die AME hat mir ein wichtiges Stück geistige Unabhängigkeit verschafft und damit grössere Bewegungsfreiheit ermöglicht, und sie hat mir geholfen die Fähigkeiten zu erweitern, die ich brauche, um mich am Gesellschaftsgeschehen beteiligen zu können. Sie hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, mich vom passiven Konsumenten zum aktiven Bürger zu entwickeln. Dazu kommt, dass einige meiner wichtigsten Freundschaften, die mich bis heute in meinem Leben begleiten, aus dieser Zeit stammen.

In diesem Sinne, möchte ich hier auch ein persönliches Dankeschön an den Kanton Aargau, bzw. die Politiker und Politikerinnen, die dafür gesorgt haben und weiterhin dafür sorgen, dass die AME existiert, aussprechen. Aber auch, und nicht weniger wichtig, ein Dankeschön an die Lehrer und Lehrerinnen, die mir und meinesgleichen, über manches Zähneknirschen hinweg geholfen haben, indem sie mit viel Geduld und Verständnis für die Situation eines Erwachsenen in Zweitausbildung, geholfen haben, auch wirklich zu erfassen, was da in den grünen Heften geschrieben stand.

Seit 20 Jahren wird nun also an der AME den Studierenden das Rüstzeug zum kritisch denkenden Bürger im Sinne der Aufklärung mitgegeben. Hoffen wir, dass diese Institution dereinst auch das 100-Jahr-Jubiläum feiern kann, denn eine fundierte und umfassende Allgemeinbildung für möglichst viele Menschen einer Gesellschaft ist die Grundlage für deren Prosperität.

Dienstag
Feb212012

Angeklickt am 20. und am 21. Februar 2012

Der "böse" Gauck und das Netz - Sprachlog

Anatol Stefanowitsch zeigt, dass der Kontext im Netz nur einen Mausklick entfernt ist.

Gauck in der Filterbubble oder wie wir lernten den Kontext zu ignorieren - Karlshochschule

Noch ein Beitrag zum Thema Twitter, Kontext und Gauck.

Mit Fleisch, aber ohne Tier - NZZ Online

Ein Hamburger mit künstlichem Hackfleichtätschli, hmm...

100 Days

Eine weitere Crowd-Funding Plattform aus der Schweiz (via Leumund.ch)

Wie das Netz den bösen Gauck erfand - Cicero Online

Auf Twitter wird alles verkürzt, aber ist es deswegen falsch? Kontext müssen wir evtl. neu Interpretieren.

I tried to watch Game of Thrones and this is what happened - The Oatmeal

Kennen wir alle, eigentlich würden wir ja schon bezahlen, aber das Meiste gibt's nun mal nur «inoffiziell» (via @dbrgn)

USB Typewriter - Apfelblog

Eine alte Schreibmaschine als Eingabegerät für den Mac. Back to the roots also. Die Telex-Terminals gehören schliesslich zu den frühen Eingabegeräten der Computergeschichte.

Hackathons are nonsense - Scripting News

Dave Winer über die Tatsache, dass nicht alles in 24h zusammengehackt werden kann. Da hat er zwar grundsätzlich recht, aber einen Hackathon kann man ja auch als Anfang oder als sinnvolle Möglichkeit effizient interdisziplinär zu arbeiten sehen.

Die Schweiz muss ACTA vorerst stoppen - Der Sonntag

Balthasar Glättli erklärt, warum wir ACTA nicht unterzeichnen sollten. 

3D Drucker Interessententreffen am 22.3.2012 in Zürich - 3D Printing Blog

Jochen Hanselmann hat einen Blog zum Thema 3D Printing gestartet und lädt zu einem Treffen von 3D Printing Nerds in Zürich ein.

Dienstag
Feb212012

KPMG Schweiz zeigt, wie Content Marketing funktioniert.

KPMG ist ein weltweit tätiges Wirtschafts- und Steuerberatungsunternehmen. Wer bei diesem Thema nicht in erster Linie an Blogs, Social Media und Mobile Apps denkt, ist wohl nicht alleine. Doch genau diese KPMG, bzw. das Online Team der KPMG in der Schweiz, hat offenbar verstanden, dass Content Marketing der Königsweg des Online Marketings ist.

Durch Content Marketing werden die Kunden, Interessenten und Partnern einer Organisation nicht einfach mit Marketingbotschaften berieselt. Es wird ihnen Mehrwert geliefert, indem Informationen und Fachwissen und durchaus auch unterhaltende Inhalte, die mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht werden, publiziert werden. Das Konzept ist eigentlich nichts Neues. Besonders grössere Unternehmen haben auch im vordigitalen Zeitalter ihr Fachwissen publiziert und meistens in Form von gedruckten Büchern, Booklets und Magazinen unter die Leute gebracht. Umso erstaunlicher ist es, dass oft genau die Unternehmen, die bereits viele nützliche und interessante Inhalte produzieren, noch immer einen Bogen um die einfachen und wirkungsvollen Publikationsmöglickeiten im Netz machen. 

Nicht so die KPMG Schweiz. Neben dem im November 2011 aufgeschalteten Corporate Blog hat das Unternehmen kürzlich auch eine iPad App mit dem passenden Namen «KPMG Knowledge» im App Store veröffentlicht.

Die App bietet den Apple iPad Nutzern bequem und einfach Zugang zu allen Studien, White Papers, Blog Posts, Tweets und anderen Veröffentlichungen der KPMG.

Die KPMG Knowlege App will mir nichts verkaufen. Sie bietet lediglich Zugang zu den Inhalten die von KPMG bereits im Netz publiziert wurden. Dadurch, dass mir durch Inhalte ein Mehrwert geboten wird, werden mir gleichzeitig die Werte der Marke vermittelt. Indem ich meine Aufmerksamkeit den Inhalten von KPMG schenke, verbringe ich gleichzeitig auch Zeit mit dem Brand KPMG.

Die App ist dabei vor allem auch als Teil eines ganzen Orchesters von Kommunikationskanälen und Inhaltskategorien zu sehen. Auf dem KPMG Blog und dem Twitter Account, wird auf einzelne Inhalte durch die Mitarbeiter der KPMG hingewiesen und dadurch der Firma ein menschliches Gesicht gegeben, sowie auf deren Kompetenz aufmerksam gemacht. Im eigenen YouTube Channel werden einzelne Themen in Form von Interviews und Gesprächen beleuchtet und auf der Facebook Fan Page werden vor allem die Inhalte, die für Stellensuchende und Studierende interessant sind, weiter verbreitet.

Die KPMG Schweiz ist ein sehr gutes Beispiel für Content Marketing in Action. Es werden die verschiedensten Kanäle bedient und sowohl kurze, schnellebige Inhalte, wie auch längere, gehaltvollere Texte veröffentlicht. Es wird ein eigenes Coroporate Blog und ein eigene Website betrieben und sich damit nicht in die totale Abhängikeit der Plattform Anbieter manövriert und es wird via Mobile App Content gebündelt damit weitere Leserkreise erschlossen.

Das Tüpfelchen auf dem «i» wäre nur noch, dass die KPMG Inhalte unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht würden und dass auch die PDF Publikationen zusätzlich als HTML Versionen publiziert würden, wie wir das bei «buch & netz» machen. Durch die HTML Publikation könnte nicht nur auf die Titel der Publikationen verlinkt werden, sondern direkt in die Inhalte und durch die Creative Commons veröffnentlichung wären die Inhalte noch besser gerüstet um als freier Content auf die Reise durch die unendlichen Weiten des World Wide Webs zu gehen.

Wer mehr zum Thema Content Marketing lesen möchte, dem sei der Blog Post «Content Marketing ist das neue Marketing» von Gergina Hristowa (@gergina_ch) auf dem Namics Blog ans Herz gelegt. 

(Offenlegung: Ich kenne Marcel Härtlein (@haertlein) und Urs Bucher (@ursbucher) von KPMG persönlich. Diesen Blogpost habe ich, wie immer, aus eigenem Antrieb geschrieben, weil ich es genau so meine, wie ich es hier schreibe.)

Sonntag
Feb192012

Angeklickt am 19.2.2012

Der deutsche Buchhandel steht zum Verkauf - excitingcommerce

Jochen Krisch über die dramatische Situation in der Buchbranche und die Aussage, dass das durchaus spannend sein kann, wie auch wir bei buch & netz finden. (via @thlang)

Ein offener Brief an die Cablecom - Alan's Blog

Der Zürcher Gemeinderat Alan David Sangines schreibt offembar gerne offene Briefe in seinem Blog. In diesem hier, fordert er Cablecom dazu auf, den Jugendsender Joiz endlich ins analogen Netz aufzuschalten. Finde ich auch.

Helft dem Nutzer - verdammt guter Kuchen

Der freie Journalist und Radiomoderator Max v. Malotki bringt zwar keine neuen Argumente gegen ACTA, stellt aber alles wichtige zusammen, sodass hoffentlicha auch der eine oder andere Medienpolitiker versteht, dass dieser Weg kein sinnvoller ist.

Facebook Hacker muss 8 Monate ins Gefängnis - Spiegel Online

Ein Britte hat bei Facebook herumgeschnüffelt, niemand ist zu schaden gekommen. Gemäss Richterspruch waren keine Bereicherungsabsichten vorhanden, er wollte nicht einmal die Informationen weiter geben. Trotzdem muss er 8 Monate hinter Gitter. Wo ist hier blos die Verhältnismässigkeit geblieben?

How to cut 70 percent of your IT budget in one year - GigaOM

Zohar Gilad beschreibt, wie er die IT Infrastruktur seiner Firma weitgehend in die Cloud verschoben hat. Für Cloud Nutzer nichts neues, für Zweifler ein weitere Möglichkeit sich überzeugen zu lassen.

Konvergenz, Konsistenz, Inkontinenz: Die »Deutsche Content Allianz« - Stefan Niggemeier

Der Medienjournalist über die tragische Rolle der Öffentlichrechtlichen bei der »Deutschen Content Allianz«

Erklärung der 42 - Gruppe42

Eine Gruppe von Piraten in Deutschland hat sich die Mühe gemacht, die wichtigsten Grundsätze einer zukunftsorientierten Digitalpolitik in 8 Thesen zu formulieren.

Medien, lernt von YouTube: Artikel brauchen Embed-Codes - Page Impression

David Bauer über den Erfolg von YouTube und die Angst der meisten Website Betreiber, ihren Content frei durch's Web fliessen zu lassen.

LIEBE “DEUTSCHE CONTENT ALLIANZ”. - DENKDING

Pia Ziefle über ACTA und die Anmassung der Content Verwerter, sich als Urherbervertreter aufzuspielen, aus Sicht einer Urheberrin.

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