Andreas Von Gunten

Ich mag Bücher und das Internet. Deshalb versuche ich derzeit mit «buch & netz», einem Buch & Online Verlag, zu zeigen, dass es sinnvoll ist, Bücher unter einer Creative Commons Lizenz ins Web zu publizieren und diese gleichzeitig in allen anderen Formaten, die sich die Lesenden wünschen, anzubieten; ja auch gedruckt. Vorher habe ich PARX, mediaparX und Partekk mit-gegründet, und war zuletzt als Geschäftsführer bei Blogwerk im Einsatz. Zwischendurch werde ich eingeladen, um zu Cloud Computing, Social CRM, Content Marketing, Creative Commons, Free Culture oder den Wandel im Buchmarkt zu sprechen und zu diskutieren. Ich bin leidenschaftlich verzettelt, Mitglied der Piratenpartei, studiere Philosophie an der Open University, habe wohl eine Disposition zum Messie, bin davon überzeugt, dass wir dazu verplichtet sind Empathiefähigkeit und kritisches Denken zu trainieren, und finde dass das Leben zu kurz ist, um offline zu sein.

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Donnerstag
Okt052006

Volkssport Blocher-Bashing oder wie wir uns mit Scheinproblemen aufhalten

Er hat es wieder getan. Bundesrat Christoph Blocher hat es wieder geschafft einen grossen Teil unserer Politik- und Medienschaffenden aufzuscheuchen und sie in ihrer gemeinsamen Empörtheit zu vereinen. Seit Jahren geht das nun so und seit Herr Blocher Bundesrat ist, habe ich den Eindruck, ist es noch schlimmer geworden.

Immer derselbe Mechanismus spielt sich ab, sodass man fast zum Schluss kommen muss, dass Herr Blocher es tatsächlich fertig gebracht hat, einen Grossteil der politischen Öffentlichkeit so zu konditinionieren, dass sie einer Art allgemeiner Hysterie verfällt, sobald er sich regt.


Das gemeinsame Blocher-Bashing ist wie das ähnlich gelagerte Bush-Bashing zum Volsksport geworden. Dabei wird immer auf Mann gespielt und es werden diejenigen rhetorischen Mittel eingesetzt, die sonst immer beim Gegner kritisiert werden.

Dabei geht soviel Energie verloren, die eigentlich für die Diskussion der echten Probleme verwendet werden sollte.

Es geht doch nicht darum, wann und wo ein Bundesrat erklärt, dass er darüber nachdenkt eine allfällige Gesetzesänderung dem Gesamtbundesrat zur Diskussion vorzulegen. Sondern es geht darum, sich dann wenn die Gesestzesänderung tatsächlich zur Debatte steht, darüber systematisch und ernsthaft Gedanken zu machen um sich zu dieser Sache konstruktiv und kompetent äussern zu können.
  

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Reader Comments (7)

Und zum unmöglichen Verhalten von Herrn B. wird natürlich auch wieder alles verniedlicht und kleingeredet, so wie du eben - aber auch das ist so typisch. Statt wirklich mal SKANDAL zu rufen und Konsequenzen zu ziehen lässt man den Polteri weiter machen. Aber eben, wir haben offenbar ja die Bundesräte, die wir verdienen...
Donnerstag, Oktober 5, 2006 | Unregistered Commentertin
Ich finde, jetzt reichts endgültig. Einen solchen Menschen kann man nicht mehr im Bundesrat dulden. Du hast einen sehr anregenden Post geschrieben.
Donnerstag, Oktober 5, 2006 | Unregistered CommenterRafael
Deine Erklärung ist hier einfach etwas zu simpel. Daselbe könntest du sagen wenn sich Frauen über (verbale) sexuelle Belästigung aufregen, sollen sich doch die Frauen erst mal auf den Grundsätzlichen Disput zwischen Mann und Frau, den Unterschied in der Physe und der Evolutionsbedingten Kommunikation beschränken und nicht Ihre energie auf allgemeines Fluchen verschwenden.

Es ist ein emotionales Thema wenn es um Menschen geht, um Rechte und vergangene Peinlichkeiten (Die Schweiz muss zum neuen Bild der Vergangenheit stehen und dieses auch beachten, Guisan hatte eben nicht recht) die die Schweiz, und somit die Bundesräte, in solchen Situationen wenigstens ein klein Wenig beachten müssen. Wenn als einer der 7 höchsten der Schweiz zu so einem umstrittenen Thema, als selber umstrittener Mensch, in einem Staat der unbestritten Menschenrechte mit den Füssen tritt einen solchen Kommentar abgibt, dann ist das nur dumm, und Kritik absolut berechtigt.

Dein Kommentar ist schon in ordnung, oft ist es genau so wie du es sagst, aber in diesem Fall definitv nicht. Das war einfach dumm.
Donnerstag, Oktober 5, 2006 | Unregistered CommenterMichael
Ich gehöre auch zu denen, die sich seit Jahren über das Blocher-Bashing aufregen, gerade etwa bei den Ringier-Blättern kann man hier nur von Paranoia sprechen.

Doch hier haben wir es mit der Ausnahme von der Regel zu tun, und es darf nicht unkommentiert bleiben. Als Justizminister sich (gerade) in der Türkei so zu äussern, ist effektiv eine Ungeheuerlichkeit.

Unbedingt empfehlenswert auch der Kommentar im Tages-Anzeiger von heute Freitag.
Freitag, Oktober 6, 2006 | Unregistered CommenterMatthias
@tin: Wir haben ja 7 davon und diese represntieren m.E. ziemlich gut die verschiedenen Meinungnen die in der Bevölkerung vorhanden sind.

Es gibt Menschen die haben eine ähnliche Meinung zu verschiedenen politischen Themen wie Herr Blocher und es gibt andere Menschen die würden eher die Meinung von Herr Leuenberger teilen.

Es geht mich nicht um Verniedlichung. Ich bin einfach der Meinung, dass nicht das Verhalten von Herrn Blocher zu Diskussion stehen sollte, sondern die politischen Inhalte die er vertritt.

@rafael: Möchtest Du ihn nicht mehr dulden, wegen seines Verhaltens oder weil Du anderer politischer Meinung bist als er?

@michael: Du hast sicher recht, dieser Fall ist nicht gerade das beste Beispiel. Wir können uns in der Tat zum Beispiel Fragen inwiefern es richtig ist, dass wir 7 Aussenminister haben. Wir können uns auch Fragen, ob es richtig ist, in einem solchen Rahmen, eine Gesetz welches die Meinungsäusserungsfreiheit einschränkt zu diskutieren. Es ist aber m.E. legitim jedes Gesetzt zur Diskussion zu stellen, immer und von jedermann.

Zu Deinem Beispiel möchte ich noch anfügen, dass es mir nicht darum geht, alles nur im Grundsatz zu diskutieren. Auf keinen Fall. Die verbale sexuelle Belästigung ist ein inhaltlicher Sachverhalt. Auch die Fragen ob unsere Rassismusdiskriminierungsartikel so wie er zurzeit im STGB steht ist ein solcher.

Aber wenn wir den Artikel befürworten oder ablehnen, oder eine ambivalente Stellung dazu beziehen wollen, sollten wir genau dass sagen und nicht Herr Blocher ist ein Türkenfreund schreien (siehe Blickaushang von heute!). Oder anders gesagt: Nachdem Herr Blocher uns mitgeteilt hat, dass er der Meinung ist, dass der besagte Artikel aus seiner Sicht problematisch ist (so habe ich es vertanden), können wir durchaus, und dies wenn wirklich nötig auch laut und heftig sagen, dass wir das nicht so sehen.

Das wäre m.M. eben das echte Problem: Ist der Gesetztesartikel zur Rassendiskriminierung neu zu diskutieren? Und das Scheinproblem dazu ist: Darf Herr Blocher in der Türkei seine Meinung zu dieser Frage äussern.

@alle
Der Blickaushang von heute: "Türkenfreund Blocher..." ist doch schon Fragwürding und Scheinheillig nicht?
Freitag, Oktober 6, 2006 | Registered CommenterAndreas Von Gunten
@Andreas Von Gunten

Jedesmal wenn B. sich daneben benimmt, gehts nicht ums Verhalten sondern um die Inhalte? Genauso wie bei Schlingensiefs Pinkeln aufs Blocher-Porträit? Da gings ja auch nur um die Inhalte, nicht?
Freitag, Oktober 6, 2006 | Unregistered Commenterplauderi
@Matthias
In der Tat ein hervorragender Kommentar von Daniel Jositsch im Tages-Anzeiger von Freitag 6. Oktober 2006, S.11. Danke für den Tipp, den hätte ich sonst wohl heute verpasst. Hervorragend weil er sich nüchtern aber bestimmt und sauber argumentierend zur Sache äussert.

@plauderi
Ich bin nicht sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe. Ich bin der Meinung bei Kunst geht es immer um Inhalte, bzw. Kunst ist Inhalt und daher hauptsächlich auf dieser Ebene zu diskutieren.
Freitag, Oktober 6, 2006 | Registered CommenterAndreas Von Gunten

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