Andreas Von Gunten

Ich mag Bücher und das Internet. Deshalb versuche ich derzeit mit «buch & netz», einem Buch & Online Verlag, zu zeigen, dass es sinnvoll ist, Bücher unter einer Creative Commons Lizenz ins Web zu publizieren und diese gleichzeitig in allen anderen Formaten, die sich die Lesenden wünschen, anzubieten; ja auch gedruckt. Vorher habe ich PARX, mediaparX und Partekk mit-gegründet, und war zuletzt als Geschäftsführer bei Blogwerk im Einsatz. Zwischendurch werde ich eingeladen, um zu Cloud Computing, Social CRM, Content Marketing, Creative Commons, Free Culture oder den Wandel im Buchmarkt zu sprechen und zu diskutieren. Ich bin leidenschaftlich verzettelt, Mitglied der Piratenpartei, studiere Philosophie an der Open University, habe wohl eine Disposition zum Messie, bin davon überzeugt, dass wir dazu verplichtet sind Empathiefähigkeit und kritisches Denken zu trainieren, und finde dass das Leben zu kurz ist, um offline zu sein.

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Mittwoch
Mai312006

Manager werden für den Nutzen, den sie aus Sicht der Eigentümer erbringen bezahlt.

Im Zusammenhang mit der laufenden Diskussion über sogenannt zu hohe Managergehälter werden zwei wesentliche Aspekte in der Regel zu wenig berücksichtig.

1) Die Gehälter werden von den Aktionären (sprich Eigentümern) bezahlt und sind darum nur von diesen zu beurteilen und nicht von einer gutmeinenden aber letztendlich vom Neid getriebenen Öffentlichkeit.  Zu diesem Thema verweise ich auf einen Blogbeitrag bei Freie Gedanken.

2) Gehälter, hohe oder tiefe, werden für den Nutzen den die Manager aus Sicht der Eigentümer der Organisation erbringen bezahlt und nicht für das Tätig sein an und für sich. Hier möchte ich ein wenig genauer werden.

Ich höre in den Diskussionen zu diesem Thema oft Aussagen wie: "Niemand ist soviel wert!" oder "Niemand kann in 5 Minuten CHF 1'000.-- verdienen, das ist doch krank!" oder "Meine Arbeit hat doch auch einen Wert!". Die wesentlichen Gedanken die hinter diesen Aussagen stecken sind:

A) Das Arbeiten, also das Tätig sein an und für sich, stellt einen absoluten Wert dar.

B) Dieser Wert hat irgendwo eine moralische Grenze.

Der Grund dass wir so denken, liegt vor allem darin, dass unser Wirtschaftssystem in vielen Bereichen die Bezahlung vertraglich tatsächlich an das "tätig sein" koppelt. So haben wir in unseren Arbeistverträgen eine Anzahl Stunden pro Woche definiert, oder viele Professional Services Anbieter (Berater, Designer usw.) werden nach Stunden- oder Tageshonoraren abgerechnet.

Die Vorstellung, dass der Zeitaufwand, den jemand für das Erarbeiten eines bestimmten Resultates benötigt, auf den tatsächlich erzielbaren Preis für dieses Resultat einen Einfluss hat, ist fast nicht mehr aus unseren Köpfen zu bringen.

Ein Angestellter einer Firma, sei er nun Manager oder nicht, macht ja eigentlich nichts anderes als seine Arbeitskraft zu verkaufen. Ein Berater in der Regel auch. Beide verkaufen aber eigentlich den Nutzen den der Käufer (die Firma, der Auftraggeber, der Kunde) mit den Ergebnissen, die aus ihrem tätig sein entstehen, erzielen kann und nicht die Arbeit selbst. Bzw. diese ist für den Käufer letztendlich irrelevant.

Diese Nutzenabwägung ist relativ und für jeden Einzelfall anders. Der Nutzen kann nur von der Person oder Organisation eingeschätzt werden, die die Leistung oder besser, das Ergebnis bezieht und damit die Rechnung bezahlt.

Übersetzt auf die Managerlöhne heisst das, dass es den Eignern eigentlich völlig egal sein muss, wieviel Zeit ein Mitarbeiter für seinen Job aufwendet, solange die Ergebnisse dem Wert des Nutzens entsprechen den die Eigentümer für sich sehen. Simpel ausgedrückt bedeutet das für den Aktionär einfach: Wieviel Nutzen verschafft mit ein Manager (oder ein Mitarbeiter, oder ein Dienstleister) und vieviel bin ich bereit dafür zu bezahlen. Diese Zahlungsbereitschaft hängt dann weigehend auch von der jeweilgen Marktsituation, sprich vom verfügbaren Angebot für diesen Nutzen ab. Je knapper desto teurer.

Natürlich muss sich auch der Anbieter Überlegungen dazu machen, welchen Preis er für sein Resultat verlangen will, und für ihn spielt das begrenzte Gut Zeit sicher eine wesentliche Rolle, er bleibt aber dabei an die simplen Angebot- und Nachfragemechanismen des Marktes gebunden.

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