Andreas Von Gunten

Ich mag Bücher und das Internet. Deshalb versuche ich derzeit mit «buch & netz», einem Buch & Online Verlag, zu zeigen, dass es sinnvoll ist, Bücher unter einer Creative Commons Lizenz ins Web zu publizieren und diese gleichzeitig in allen anderen Formaten, die sich die Lesenden wünschen, anzubieten; ja auch gedruckt. Vorher habe ich PARX, mediaparX und Partekk mit-gegründet, und war zuletzt als Geschäftsführer bei Blogwerk im Einsatz. Zwischendurch werde ich eingeladen, um zu Cloud Computing, Social CRM, Content Marketing, Creative Commons, Free Culture oder den Wandel im Buchmarkt zu sprechen und zu diskutieren. Ich bin leidenschaftlich verzettelt, Mitglied der Piratenpartei, studiere Philosophie an der Open University, habe wohl eine Disposition zum Messie, bin davon überzeugt, dass wir dazu verplichtet sind Empathiefähigkeit und kritisches Denken zu trainieren, und finde dass das Leben zu kurz ist, um offline zu sein.

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Sonntag
Jan212007

Eine Firma kontrollieren mit Optionen?

In der NZZ am Sonntag von heute (21.1.2007) wird uns erklärt, dass es in der Schweiz zu einfach sei eine Firma über den Kauf von Optionen zu kontrollieren.

Zitat aus einem Artikel von Charlotte Jacquemart auf der Seite 37: "...Ein weiterer Vorteil von Optionen ist, dass Investoren mit viel weniger Mitteln eine Firma 'beherrschen' können, als wenn sie alle Titel physisch einkaufen müssten. Ein Beispiel: Die aktuelle Sulzeroption SUNDD der Deutschen Bank kostet einen Franken. 250 Stück davon berechtigen zum Bezug einer Sulzer-Aktie. Macht nach Adam Riese 250 Fr. Einsatz. Eine Sulzer Aktie kostet zurzeit über 1600 Fr. Bei Sulzer könnten so mit 85 Mio. 20% der Firma kontrolliert werden...."

In Fragen der Aktienbörsengeschäfte verstehe ich eigentlich wenig bis gar nichts. Aber nach meinem Verständnis berechtigt mich eine Option einzig, die der Option unterlegte Aktie zu einem vorher bestimmen Preis bis zu einem vorher bestimmten Datum in der Zukunft zu kaufen bzw. zu verkaufen (je nach Optionstyp). Für dieses Recht bezahle ich einen Preis, den Optionspreis.

Mir ist völlig unklar, wie ich durch den Besitz von Optionen eine Firma beherrschen kann? Wenn ich eine Option kaufe, kaufe ich mir ja nur das Recht die Aktie zu kaufen, besitze diese also noch nicht. Wenn ich als 250 SUNDD Optionen zu 1 CHF kaufe, habe ich das Recht eine Sulzer Aktie zum Preis von 1450.-- CHF bis zum 15.6.2007 zu kaufen. Solange ich von diesem Recht keinen Gebrauch mache, die Aktie also nicht kaufe und nochmal 1450.-- CHF auf den Tisch lege, bin ich nicht Besitzer dieser Aktie und habe damit auch kein Stimmrecht.

Wenn ich also eine Firma 'beherrschen' will, muss ich früher oder später die Aktien kaufen. Und dass jemand von einer Firma Aktien kauft, soviel er will und solange diese von jemanden anderen verkauft werden, gehört ja zum Spiel oder nicht? Sprich, wenn eine Firma sich entscheidet ihren Finanzbedarf über den öffentlichen Kapitalmarkt zu decken, dann muss sie auch damit leben, dass diese Aktien gehandelt werden und somit von jemadem gekauft werden können.

Oder sehe ich da etwas falsch?

 

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Reader Comments (2)

Hallo Andy
interessant Deine Aussage und nach meinem Verständnis korrekt. Für mich gibt es aber noch zwei weitere Punkte:
Es ist aus meiner Sicht sehr unwahrscheinlich dass der Preis der Option SUNDD und der darunterliegenden Aktie (Sulzer) sich nicht erhöht, wenn Du versuchst 250 Stück * 53'000 Aktien = 13 Mio Optionen zu kaufen... der Preis der Option (aber sehrwahrscheinlich auch der Aktie) wird sich sehr stark erhöhen, ev. ist es sogar so dass die Deutsche Bank gar nicht 13 Mio SUNDD Optionen ausgegeben hat, somit ist das Konstrukt sowieso ein sehr theoretisches...
Je nach Bestimmungen der Vinkulierung von Sulzer kann es auch sein, dass ein Aktionär eine Stimmrechtsbeschränkung hat, d.h. auch wenn Du 20% der Aktien besitzt ist aufgrund der Firmenstatuten Dein Stimmrecht zB auf 5% beschränkt (ist in der Schweiz noch bei sehr vielen Börsenkotierten Firmen zum Übernahmeschutz und Schutz vor unliebsamen Einfluss der Fall).

Für mich ist die formulierte Kritik in der NZZ am Sonntag deshalb sehr schwach fundiert.

Grüsse, Andy
Montag, Januar 22, 2007 | Unregistered CommenterAndy Bittig
Guten Tag

als Banker muss ich sagen, dass Ihr hier alle auf dem richtigen Weg seit. Option = Recht. Daher zeigt dies, dass die NZZ a.S. schlecht recherchiert hat. Was übrigens desöftern vorkommt, gerade auch bei den Artikeln von Herrn Pfiffner (oder wie er auch heisst) wenn er mal wieder über Fonds schreibt.

Daher meine Empfehlung, lasst am Wochenende den hinteren Wirtschaftteil einfach weg. Lest den Sport, Stil oder das Feuillton - es ist ja Sonntag....

Gruss
Charly
Freitag, März 23, 2007 | Unregistered CommenterCharly

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