Die Reichen und ihre Filets
Freitag, Juni 27, 2008 at 11:59 | in
Gesellschaft,
Medien Der Kommentar im gedruckten Tages-Anzeiger von heute, 27.6.2008 (nicht online verfügbar), zeigt ja grundsätzlich in die richtige Richtung. Ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz wäre auf jeden Fall zu wünschen und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, obwohl es dummerweise sehr viele gibt, die vom heutigen System profitieren, aber lassen wir das.
Der eigentliche Grund für diesen kurzen Blogeintrag ist dieser Satz von Philipp Mäder in seinem Kommentar:
"...wenn auf Lebensmitteln nur 2,4 Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden, profitieren davon Reiche stärker als Arme: Sie kaufen eher ein Filet als einen Cervelat."
Dieses Argument für die Aufhebung des tieferen Satzes für Produkte des täglichen Gebrauchs ist doch sehr amüsant. Der böse Reiche profitiert beim Filet einkaufen vom tiefen Satz, der eigentlich extra für die Menschen mit weniger verfügbarem Einkommen eingeführt wurde.
Was sehen wir hier? Es geht Herrn Mäder nicht darum, dass es Ärmeren besser geht, sondern darum, dass es Reicheren schlechter geht. Und das ist genau das Problem in den meisten Umverteilungs- oder Gerechtigkeitsdiskussionen. Für viele ist es einfach ein Problem, dass jemand mehr hat als jemand anders. Aber eigentlich ist doch dass Problem, dass es Menschen gibt die zu wenig haben. Und es muss in erster Linie darum gehen, dafür zu sorgen, dass diese mehr haben und nicht dass die anderen weniger haben.








Reader Comments (3)
Genau Andi, denn:
dene wos guet geit
gings besser
giengs dene besser
Wos weniger guet geit
Mani Matter meint dann in der Folge,
was aber nid geit
ohni dass's dene
weniger guet geit
wos guet geit
Wenn Deine These stimmt UND Mani Matters', dann ...
... wollen eben die Reicheren nicht, dass es keine mehr gibt, denen es schlecht geht.
Gestern bei Äschbacher war Richard David Precht zu Gast. Precht ist ein Philosoph. Sein Bestseller heisst "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" (über 300'000 Stück verkauft, bravo!). Precht meint: ein Schlüssel zum Glück ist, sich weniger zu vergleichen. Vergleiche Dich nur mit jenen, die Du liebst oder wenigstens gern hast. Sonst machst Du einen unfairen Vergleich: Du vergleichst Dich mit Leuten, die Du nicht sein willst. Auf sie neidisch zu sein, ist natürlich Unsinn. Wenn Du aber nur mit jenen vergleichst, die Du liebst, dann entsteht kein Neid.
So, wer viel hat und jene liebt, die wenig haben, der wird wohl auch damit einverstanden sein damit, dass jene mehr haben, die wenig haben. Noch besser, es macht ihn glücklicher.
ps
Etwas spät, aber: Falls ich das richtig verstanden habe, gehts hier um die Frage, ob man beim Konsum das Prinzip der Progression anwenden soll.
Da das aber rein quantitativ nicht funktioniert (ab 10 Cervelats müsste die Mehrwertssteuer steigen), versucht man nun die Grundbedürfnisse qualitativ vom ganzen Rest zu unterscheiden. Das empfinde ich als legitim.
Beim liberalen Ansatz geht vergessen, dass es eine obere minimale Konsumgrenze gibt, das heisst, der Mensch kann sich nicht beliebig nach unten beschränken.
Falls man nun bei Grundnahrungsmitteln einen tieferen Mehrwertseuersatz ansetzt, wo liegt dann das Problem, ausser dasjenige der Perspektive? Zahlen jetzt die da unten zu wenig oder die da oben zuviel?
je höher das einkommen ist, desto geringer ist der anteil der für lebensmittel ausgegeben wird. wer doppelt so viel verdient, gibt i.d.r. nicht das doppelte für lebensmittel aus. und wer viermal so viel verdient, der sicher nicht vier mal mehr. wer nämlich viel mehr verdient, geht dafür z.b. mehr ins restaurant oder er/sie kauft sich einen netten porsche.
eine erhöhung der mwst auf lebensmittel trifft tiefere einkommen überproportional und müsste also einhergehen mit der entlastung von solchen einkommen bei den direkten steuern.