Andreas Von Gunten

Ich mag Bücher und das Internet. Deshalb versuche ich derzeit mit «buch & netz», einem Buch & Online Verlag, zu zeigen, dass es sinnvoll ist, Bücher unter einer Creative Commons Lizenz ins Web zu publizieren und diese gleichzeitig in allen anderen Formaten, die sich die Lesenden wünschen, anzubieten. Weiterlesen...

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Donnerstag
Sep162010

Mathias Döpfner und das Geschwätz von der "Gratiskultur" im Internet

Für Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel Springer Verlags, und viele seiner Verlegerkollegen ist die sogenannte “Gratiskultur” im Internet der Grund warum wir dringend ein Leistungsschutzrecht brauchen. Doch bei hellerem Lichte betrachtet, ist das doch eher nur Geschwätz von Leuten, die entweder noch nicht in der vernetzten Welt angekommen sind, oder um jeden Preis ein Geschäftsmodell retten wollen, welches in der bisherigen Form keine Daseinsberechtigung mehr hat.

Mit dem Ettiket “Gratiskultur” wird behauptet, dass die Internet Nutzer partout der Meinung seien, die Welt sei kostenlos und das sie einfach alles haben können, ohne dafür bezahlen zu müssen. Es sei eine idealisierte, romantische, ja kommunistische Vorstellung die im Internet vorherrsche und die es nun endgültig auszumerzen gelte. Diese unwissenden und verständnislosen Menschen sind, wenn nötig mit legislativer Gewalt, auf den Boden der kommerziellen Realtiät zurück zu holen. Da und dort wird auch von Umerziehung gesprochen, die notwendig sei um die richtigte alte Ordnung wiederherzustellen.

Dieses Bild der “Gratiskultur” entbehrt allerdings jeder empirischen Grundlage. Haltlose Vorwürfe, die durch unzählige Wiederholung auch nicht wahrer werden.

Die Menschen waren schon immer bereit für Nutzen bzw. Mehrwert zu bezahlen, und sie sind es auch im digitalen Zeitalter noch.

Wie ist zum Beispiel der Erfolg von Amazon, Ebay und hundertausender andere E-Commerce Websites zu erklären, wenn die Internetnutzer einer “Gratiskultur” zuzuordnen wären?

Wie ist es möglich, dass es tausende von kostenpflichtigen Cloud Computing Produkten mit zum Teil Millionen von Benutzern gibt und deren Wachstumsraten fast jede andere Branche sprachlos machen, wenn im Internet eine “Gratiskultur” vorherrschte?

Wie konnte Apple 10 Milliarden Songs online verkaufen, wenn die Leute nicht bereit gewesen wären im Internet zu bezahlen?

Von einer “Gratiskultur” zu sprechen weil ein paar Teenager Filme, Spiele und Musik downloaden, die sie sowieso nicht hätten bezahlen können und deswegen auch nie gekauft hätten, ist absurd.

Weil die Menschen nicht bereit sind, sich durch komplexe Aktivierungs- und Registrationsprozesse durchzuarbeiten nur um ein paar Agenturmeldungen zu lesen, die sie sowieso den ganzen Tag an hundert verschiedenen Stellen beiläufig wahrnehmen, von “Gratiskultur” zu sprechen, ist eine Anmassung einer Branche die den Leser bis vor kurzem als Kunden gar nicht gekannt hat.

Dass die Kunden nicht bereit sind, sich bei jedem Computerwechsel bei ihren gekauften Songs, Filme oder E-Books zu überlegen, bei welchem Anbieter sie die einzelnen Titel gekauft haben um die Aktivierung auf dem neuem Gerät sicherzustellen, ist doch irgendwie nachvollziehbar. Hier von “Gratiskultur” zu sprechen, ist ein Verkennen der Realität.

Die Internet Nutzer verstehen zum grössten Teil sehr gut, wie Wirtschaft funktioniert. Sie brauchen keine Nachhilfestunden in Ökonomie. Sie wissen, dass es nichts kostenlos gibt auf dieser Welt, dass immer jemand bezahlt.

Zeitungen und Zeitschriften sind selten von den Lesern bezahlt worden, sondern zum grössten Teil von den Werbetreibenden. Mit den Verkaufs- und Abopreisen wurden wohl gerade mal knapp die Distributions- und Lesergewinnungskosten gedeckt.

Für den Leser kostenlose Inhalte gab es auch schon vor dem Internet zum Teil in Millionenauflagen, denken wir nur an das Migros Magazin und die Coop-Zeitung in der Schweiz.

Ich behaupte ja nicht, dass es ein Sonntagsspaziergang wäre, in der vernetzten digitalen Welt die arbeitsintensive Produktion von hochwertigen Inhalten zu monetarisieren. Doch einfach zu erklären, das Problem liege daran, dass die Leute nicht bezahlen wollen und dass die Nutzer der neuen Medien alles Piraten und Diebe seien, die den Verlagen die Butter vom Brot stehlen, ist eine kühne Frechheit.

Mir kommt es vor, als hätten gewisse Medienhäuser (nicht alle) bereits kapituliert vor der Herausforderung sich anzupassen, mit dem Wandel zu gehen und diesen für sich zu nutzen. Die letzte Möglichkeit besteht für diese Unternehmen offenbar nur noch darin, durch politischen Druck zu versuchen, das Rad zurück zu drehen und das offene Netz wieder zum Verschwinden zu bringen.

Nach dem Staat zu rufen, um sich durch Regulation die neuen Mitbewerber vom Halse zu halten, ist alles andere als liberal. Unternehmen die es nicht schaffen in einem freien Marktumfeld einen Nutzen zu schaffen und diesen in Geld zu verwandeln haben keine Daseinsberechtigung; das lernen Manager eigentlich im ersten Semester des BWL-Grundstudiums.  

Mathias Döpfner spricht im Zusammenhang mit dem “Leistungsschutzrecht” auch gerne und oft von Qualität und von der Notwendingkeit des Erhaltes seines Medienhauses für eine funktionierende Demokratie. Nun, ich denke die Demokratie in Deutschland könnte wohl eher auf eine Bild Zeitung verzichten als auf ein offenes Internet. Doch das ist ein anderes Thema, auf welches ich zu einem späteren Zeitpunkt zurück komme.

 

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Reader Comments (53)

Danke, denn das musste mal gesagt werden!

Donnerstag, September 16, 2010 | Unregistered CommenterKickDown

vielleicht hätte Apple aber auch 20 Milliarden Titel verkaufen können...

Donnerstag, September 16, 2010 | Unregistered Commentercamille

Ich glaube grundsätzlich schon, dass das Internet zum Beispiel Raubkopierern (ob mit oder ohne Unrechtsbewusstsein) erst ermöglicht hat, ihrem "Hobby" im großen Stil nachzugehen und ich bin auch fast sicher, dass es durch die digitale Verfügbarkeit mancher Produkte durchaus zu finanziellen Einbußen auf Seiten der Produzenten/Distributeure gekommen ist, ABER ansonsten stimme ich diesem Artikel aus vollem Herzen zu (was für ein Satz).

Es gibt genügend Beispiele für funktionierende Business-Modelle im Web und das Gejammer der Alteingesessenen ist tatsächlich nur Ausdruck ihrer völligen Hilflosigkeit. Es ist ein absolutes Unding, dass es sich zunehmend einbürgert, in solchen Fällen nach dem Staat zu rufen und protektionistische Gesetze zu fordern.

Donnerstag, September 16, 2010 | Unregistered CommenterMalte

Sehr schön auf den Punkt gebracht. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen!

Donnerstag, September 16, 2010 | Unregistered CommentergESTALTUNGSmETZGER

Der vorletzte Satz ist zucker

Donnerstag, September 16, 2010 | Unregistered Commentershagga

meine rede. gut gedacht, gut gesagt. (ich bewundere immer wieder deine fähigkeit, solche dinge in freundliche worte zu fassen, dabei müsste man lauthals "füdle" möögge).

der unaufhaltsame ruf nach neuen gesetzen von döpfner und neininger und anderen zeigt vor allem eines: sie spüren, dass ihr sehr lukratives geschäftsmodell keine zukunft mehr hat. klar, dass das ein herber schlag ist, aber das war schon bei der einführung der dampfmaschine oder der eisenbahn so.

dass sich döpfner – ausgerechnet – auf journalistische tugenden beruft, um die demokratie zu retten, ist doch etwas gar verwegen.

Donnerstag, September 16, 2010 | Unregistered Commenterbugsierer

von ende der 90er bis kurz nach dem platzen der blase hab ich einer asv-tochter gearbeitet. (und bin am ende in einer für mich sehr angenehmen weise gegangen. es gibt also keine alten rechnungen zu begleichen.)
ein verständnis dafür, was "das internet" ist und kann - und was eben auch nicht - hat sich da in den leitenden positionen, sowohl bei jener tochter, wie erst recht im mutterhaus, niemals auch nur angedeutet.
man sehe sich nur mal die wechselvolle geschichte von "go-on.de" an. ich will gar nicht wissen, wieviel geld dort verbrannt wurde, weil die jeweils überdimensionierten konzepte nicht bereits nach anderthalb jahren den break-even-punkt erreichten. bei jedem "echt-welt-projekt" ist klar, dass es in der regel zwei bis drei jahre dauert, bevor die anlaufphase überhaupt vorbei ist. aber "internet ist noch schneller als fax".

Donnerstag, September 16, 2010 | Unregistered Commenterex-asv-internetfuzzi

Malte, extra für Dich: Bravo 1977: Sind Leer-Cassetten der Tod der Schallplatte?

"Raubkopieren" ging auch ohne Internet.

Donnerstag, September 16, 2010 | Unregistered CommenterJoe

es gibt uebrigens ein medienhaus, welches es seit jahren schafft, im internet mit content geld zu verdienen: die financial times. dafuer zahlen die nutzer auch gutes geld. es geht also.

Donnerstag, September 16, 2010 | Unregistered CommenterSven

Und jetzt kommt der Gag: Für diesen Artikel haben inzwischen schon 50 Leute bezahlt.

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered CommenterDaarin

Sehr schöner Post zur Unsitte, Kunden als Diebe zu diffamieren und dem Staat Quer-Subventionen abzuverlangen, weil der Markt in Gestalt von Angebot und Nachfrage offenbar versagt bei diesem Geschäftsmodell.

Ein Aspekt schein mir jedoch immer etwas unterzugehen: Und zwar die Bereitwilligkeit der Online-Leser, interessante Inhalte weiterzuverbreiten. Gratis! – Ob ein Zeitungsverleger jemals darüber nachgedacht hat, dass er ein Anhänger der "Gratiskultur" ist? Welch unflätiges Schmarotzertum dahinter steckt, seine Distributoren des Diebstahls zu bezichtigen? Und welch niederträchtige Doppelmoral, auf jedem Online-Artikel auch noch Share-Buttons anzubringen!

Herzliche Grüße aus Berlin.

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered Commenterkadekmedien

... und, Joe, hatten sie nicht Recht, damals? Du findest kaum noch Schallplatten!!! Wehret den Anfängen. ;-)

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered CommenterEmma

Danke für diese klaren Worte - aber weil sie "gratis" sind, werden sie vielleicht nicht gelesen - jedenfalls nicht von denen, die sie angehen würden!

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered Commentertin

Ich denke dennoch, dass es sehr wohl eine Gratiskultur gibt.

Aber dies ist eine Krankheit, die man nicht denen vorwerfen sollte, die daran leiden: Firmen (gerade im Bereich Musik, Film und Software) bieten Produkte an, die ohne großen Umstand kopiert werden können. Wie sollen die sich denn bitteschön an irgend eine Zeit anpassen?

Man hat versucht, dies über Kopierschutzmechaniken zu bewerkstelligen und auch das wird ihnen vorgehalten: Die Gängelung der zahlenden Kunden. Doch wer hat diese Maßnahmen überhaupt erst nötig gemacht? Richtig: Es sind all diejenigen, die der Meinung sind, dass im Internet alles kostenlos zu haben ist.

Da ist auch der Fakt, dass Apple 10 Milliarden Titel verkauft hat, nur ein Totschlagargument: Wenn man schaut, wie viele User dort gekauft haben, wie viele Internetnutzer es insgesamt gibt und wie viele Kopien tatsächlich im Umlauf sind, wird das auch schnell klar.

Ja, Musik-Raubkopien gab es auch damals schon - zum Beispiel per Kassette. Doch wie groß war der Radius, den die Kopie nahm? Richtig: Da hat man wirklich noch für Bekannte und Freunde kopiert. Auf ein Original kamen vielleicht 10 bis 20 Kopien. Wie viele Kopien kommen denn heute auf ein Original? Ich möchte behaupten, es hat sich nicht nur vervielfacht sondern potenziert.

Natürlich gibt es immer ein paar Idealisten, die genügend Unrechtsbewusstsein haben und ihre digitale Ware rechtmäßig erwerben. Doch die dürfte immer mehr in die Minderheit rutschen, wenn man endlich mal aufhören würde, immer nur die Anbieter als Sündenböcke hinzustellen.


Man muss auch nur mal in deutschen Grafik-Foren umschauen, um sehr schnell zu erkennen, wie viele Ratsuchende ihr aktuelles Photoshop CS5 mit Sicherheit nicht gekauft haben. Und Adobe ist ein Großer, der die Zahl vielleicht noch verschmerzen kann. Kleineren Unternehmen wird durch sowas die gesamte Grundlage entzogen.

Und da nützt auch das beste, durchdachteste Bezahlmodell nichts: Selbst 1 Cent pro Titel/Programm/Film wäre für den Großteil der Erdbevölkerung immer noch ein Cent zu viel Geld, das sie ausgeben müssten.

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered CommenterNetzBlogR

Ein netter und guter Artikel.

Ein Aspekt wurde meines Erachtens aber nicht angesprochen, der aber nichts desto weniger wichtig ist. Klar, zum einen muss man die Doppelmoral der eigenen Weiterverbreitung sehen, die @kadekmedien ansprach. Aber wie ist das eigentlich mit der Selbstverständlichkeit der Redakteure, sich aus dem kostenlosen Internet zu bedienen? Heutzutage begehen viele Medienvertreter und insbesondere die Bild aus dem Hause Springer tagtäglich Urherberrechtsverstöße. Es gibt unzählige Beispiele, in denen die redaktionelle Leistung darin besteht, beispielsweise einen Wikipedia-Artikel zu kürzen oder sogar wortgetreu zu kopieren aber nicht als solchen zu kennzeichnen.
Diese Grauzone (die rein rechtlich keine ist, denn es ist ohne Quellenangabe schlichtweg verboten), die soll jedoch nach Willen der Verlage erhalten bleiben. Wie? Ein Kunzgriff: Wenn man sich selbst nicht als Verlag kennzeichnet, soll man um seine Rechte beschnitten werden und als kostenlose Melkkuh der Verlage dienen, die über das Leistungsschutzrecht das professionelle Aufbereiten (=das Raubkopieren) von Content legalisieren wollen. Dass es irgendein rechtliches Problem damit gäbe, Inhalte im Internet zu kommerzialisieren (so die Argumentation von Döpfner), das stimmt schlichtweg nicht. Der Artikel nennt sehr gute Beispiele.

Ich denke das ist auch ein Hauptgrund, dass die Internetnutzer solche Dinge nicht annehmen. Es liegt nicht daran, dass Qualitätsinhalte als kostenlos gefordert werden, sondern daran, dass viele schlichtweg die Qualität als solche bezweifeln und lieber auf höhere Qualität, die es bereits kostenlos gibt, zurückgreifen. Der Internet-Nutzer ist selbst bereits geschult, via Google und Co. die Informationen in hoher Qualität zu recherchieren und das in wenigen Minuten. Damit hat 90% der Bild-Zeitung einfach keine Daseinsberechtigung mehr.

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered Commenterxub

Auch das Geschäftsmodell "Zeitung" ist nicht zwangsläufig dem Untergang geweiht und schon gar kein Gratismodell ohne Einnahmen: "Im Vorfeld der am Abend in der Hauptstadt stattfindenden Jubiläums-Gala von Bertelsmann hat Bereichsvorstand Bernd Buchholz bei einer Präsentation im Berliner Tempodrom die Fokussierung von Gruner + Jahr aufs Zeitschriftengeschäft betont. "Print lebt und ist hoch profitabel", sagte der 48-Jährige."

Quelle: http://meedia.de/nc/details-topstory/article/gj-chef-will-herz-des-journalismus-schtzen_100030362.html?tx_ttnews[backPid]=23&cHash=527baa0cf4

@camille: Man könnte auch versuchen, 10 Zeitungen zu abonnieren, 20 Schnitzel am Tag zu essen und 25h am Tag zu shoppen.

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered CommenterMNB

Die Situation wird nicht dadurch besser dargestellt, dass das gleiche Geschwätz, das ein Herr Döpfner für die eine Seite abliefert, quasi in gespiegelt, von der anderen Seite hier abgeliefert wird.

Die Behauptung, die Gratiskultur entbehre jeder empirischen Grundlage, ist ja nett, aber wenn man schon empirische Grundlagen heranzieht, dann möge man sie doch bitte auch nennen und nicht mit der 08/15-Phrase von den "unzähligen Wiederholungen" garnieren. Die ewige Wiederholung dieser Phrase macht die damit verbundenen Behauptungen nämlich auch nicht stichhaltiger.

Absurd ist es, von nur "ein paar Teenagern" zu reden, die Filme, Spiele und Musik kopieren täten, wohl wissend, dass so ziemlich jeder nach 1960 Geborene schon mindestens ein Dutzend Musiktitel von Freunden kopiert haben dürfte. Dass ein Großteil der Kopien als Original wegen des Preis-Leistungsverhältnisses niemals über den Ladentisch gegangen wäre, ist sicher richtig, macht die Verharmlosung aber nicht besser (wohlgemerkt: es wurde Geschwätz vorgeworfen).

Was haben eBay und Amazon mit Raubkopien zu tun? eBay ist kein Schallplattenmarkt und somit von der Kopierei nur marginal betroffen. Amazons Erfolg beruht auf Büchern, auch eine Sache, die kaum im Fokus der Kopierei steht. Überhaupt ist es gewagt, E-Commerce, den Handel mit Waren, pauschal heranzuziehen: Nur, weil beispielsweise Spielzeughändler gute Geschäfte machen, muss das noch lange nicht für alle Händler gelten, von Bettwäsche über Töpfe bis hin zu CDs. Die Art, wie du hier die Natur der Waren ignorierst und alles über einen Kamm scherst, hier phyisch Greifbares, da immaterielle Werte, ist schon geradezu lächerlich. Oder wann hast du das letzte Mal ein Handtuch auf Knopfdruck kopiert?

Wachstumsraten sind auch immer schön – schöne Augenwischerei: "Vorgestern eröffnet, gestern haben wir zehn Titel verkauft, heute schon zwanzig! Wachstumrate 100%, das soll uns der alteingessene Laden an der Straße erstmal nachmachen!"

Dass "Zeitungen selten von den Lesern bezahlt worden" seien, "sondern zum größten Teil von den Werbetreibenden", und gleich hintendran die Kostenlosblätter als Beweis einzuschieben, ist auch eine interessante Sichtweise. Unter Zeitung verstehe ich jedenfalls etwas anderes als eben jene Anzeigenschleudern, die, was den journalistischen Inhalt angeht, nur zum Fischeinwickeln taugen. Zeitungen werden auch durch Werbung finanziert, ja, aber nicht zum "größten Teil". Das sollte eigentlich jedem schon in dem Moment klar sein, wenn er mal Textwüsten wie die FAZ oder die Zeit mit einem vor Werbung nur so strotzenden Kostenlosblatt vergleicht.

Man mag zu dem Geschwätz eines Herrn Döpfner stehen, wie man will, aber wenn man ihn attackiert (grundsätzlich zu recht, wie ich anmerken möchte), sollte tunlichst nicht auf dem selben Niveau agieren. Die heiße Luft, die du hier größtenteils abgelassen hast, lächerliche Pauschalbehauptungen und Argumente, bei denen ich mich frage, wo du lebst, dürfte Döpfner jedenfalls nur bestätigen.

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered CommenterDada

Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit nach dem Erwerb meines ersten PC erinnern. Das Internet existierte zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Trotzdem brachte mein Sohn regelmäßig von seinen Freunden auf dem Schulhof Programme und Spiele auf Floppys mit nach hause, von denen ich genau wusste, das er sie hätte nie von seinem Taschengeld bezahlen können. Vattern musste aber auch mit Regelmäßigkeit das System neu aufsetzen, da die Disks alle mit einem Virus infiziert waren.

Es ging also auch ohne Internet.

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered CommenterManfred Fiebig

@dada: Eines zur Vollständigkeit halber. Amazon basiert seit vielen Jahren mitnichten auf Büchern. Es ist nur noch ein kleiner Zweig der Warenpalette. Wobei das jedoch eher zweitrangig ist, da Amazon durchaus zum Großteil auf realen Gütern basiert (auch beispielsweise Waschmaschinen).
Dennoch ist ein Kernpunkt bei Amazon der Verkauf von Waren, die auch digitalisiert als Raubkopien "erstanden" werden könnten und trotzdem haben diese Geschäftsbereiche umfassenden Erfolg, nach wie vor. Nachzulesen in den Geschäftsberichten. Diese zu zitieren spare ich mir hier. Auch Bücher könnten in der heutigen Zeit durchaus digitalisiert und als Raupkopie Verbreitung finden.

Gerade hinsichtlich eBay muss man einfach sagen: Es gab hunderte Versuche, kostenlose Auktionsplattformen zu etablieren. Sie sind alle gescheitert. eBay ist nicht kostenlos. Auch wenn es für den Käufer so aussieht. eBay ist sogar in meinen Augen relativ teuer. Dennoch ist es der Quasi-Standard. Das sind Beispiele, in denen die Vorwürfe an die schmarotzende Internetkultur, wie Döpfner es darstellt, nicht stimmig sind. Ich behaupte sogar, dass mittlerweile der Großteil der Händler bei eBay für ihre Waren mehr Gewinn einfahren als über den Ladenverkauf, da hier die Nutzergemeinde den Bezug zum Realwert der Ware verliert. Döpfner greift die Netzkultur als solche an und pauschalisiert jeden Internetnutzer als Mensch, der niemals bereit sei, etwas zu bezahlen. Er greift die Blogger-Kultur an, den semiprofessionellen Bereich, der ihm das Geschäft kaputt mache usw. Deswegen muss man ihn auch mit Beispielen wie Amazon, eBay und Apple-Stores messen.

Ein weiteres Beispiel ist der stetig steigende Umsatz von beispielsweise Napster. Auch ein Beispiel, dass die von Döpfner verbreitete Behauptung, ein Internetnutzer sei grundsätzlich unwillig, irgendetwas bezahlen zu wollen, so nicht passt.

In einem Punkt gebe ich Ihnen aber Recht: Man sollte nie den Fehler machen, darüber zu streiten, ob nun ein Großteil der Nutzer Raubkopierer sind oder ehrlich zahlende Kunden, ob der Großteil der Raubkopierer jugendlich sind oder älter. Das lässt sich auch für Statistiker bereits schwer greifen und solange das nicht belegbar ist, kann jeder in diesem Punkt behaupten, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben.

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered Commenterxub

Es ist erstaunlich, dass viele Menschen für diesen Text gezahlt haben, der nichts weiter ist als eine Aneinanderreihung von Pauschalweisheiten. Die Argumentationslinie ist die eines kleinen Jungen. "Ich habe recht, weil ich recht habe. Das Internet ist toll, weil es toll ist". Herr Döpfner und der Axel Springer Verlag sind ein Thema für sich, es geht doch allgemein um die Rolle der Medien, Medienschaffenden und Künstler in unserer Gesellschaft. Wirklich lesenswert ist daher der Kommentar des Autors "Dada", der sich mit den ungelösten Fragen und Aufgaben beschäftigt, die sich heute stellen.

Freitag, September 17, 2010 | Unregistered CommenterSherwood

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