Andreas Von Gunten

Ich mag Bücher und das Internet. Deshalb versuche ich derzeit mit «buch & netz», einem Buch & Online Verlag, zu zeigen, dass es sinnvoll ist, Bücher unter einer Creative Commons Lizenz ins Web zu publizieren und diese gleichzeitig in allen anderen Formaten, die sich die Lesenden wünschen, anzubieten; ja auch gedruckt. Vorher habe ich PARX, mediaparX und Partekk mit-gegründet, und war zuletzt als Geschäftsführer bei Blogwerk im Einsatz. Zwischendurch werde ich eingeladen, um zu Cloud Computing, Social CRM, Content Marketing, Creative Commons, Free Culture oder den Wandel im Buchmarkt zu sprechen und zu diskutieren. Ich bin leidenschaftlich verzettelt, Mitglied der Piratenpartei, studiere Philosophie an der Open University, habe wohl eine Disposition zum Messie, bin davon überzeugt, dass wir dazu verplichtet sind Empathiefähigkeit und kritisches Denken zu trainieren, und finde dass das Leben zu kurz ist, um offline zu sein.

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Mittwoch
Apr012009

Die Migros und die Mär vom "Konjunkturprogramm"

Aus dem Film "60 Jahre Selbstbedienungsladen" (MGB Archiv)Die Migros Gruppe will in den nächsten 3 Jahren über 5 Milliarden Franken investieren, wie sie an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz bekannt gegeben hat.

So steht in der Rede des Migros CEO's Herber Bolliger:

"Die Migros investiert in den nächsten drei Jahren über 5 Milliarden Franken in der Schweiz. Mit diesem Konjunkturprogramm übernehmen wir Verantwortung für die Entwicklung der Schweiz und wollen damit Arbeitsplätze bei vielen KMUs sichern"

Das sind in der Tat gute Nachrichten für die Schweiz. Aber es ist natürlich ein Witz, wenn die Migros behauptet, sie investiere aus Gründen der volkswirtschaftlichen Verantwortung.

Die Migros ist ein Unternehmen dass in einem stark umkämpften Markt agiert. Kein Unternehmen, dass solchen Wettbewerbskräften ausgesetzt ist, kann es sich leisten wohltätig zu sein. Die Investitionsentscheidungen der Migros sind bestimmt nicht aufgrund philantropischer oder patriotischer Überlegungen erfolgt, sondern ganz einfach weil sie aus unternehmerischer Sicht sinnvoll sind.

Das ist ja auch nicht schlecht und es ist sicher so, dass sie Migros als Genossenschaft ihre Gewinne vor allem in das eigene Wachstum investieren und nicht an Aktionäre abführen muss. Aber es wird hier ein falsches, um nicht zu sagen unfaires Bild transportiert: Hier die liebe Migros, die in Krisenzeiten ein eigenes "Konjunkturprogramm" startet und dort die bösen anderen Unternehmen, die die Investitionen runterfahren und Mitarbeiter entlassen.

Jedes Unternehmen, ob Genossenschaft oder Aktiengesellschaft, das in guten Zeiten ein genügend grosses Kässeli aufgebaut hat, investiert jetzt in die Zukunft. Es gibt kein Unternehmen, dass nicht davon ausgeht, dass auch dieser Krise wieder ein Aufschwung folgen wird. Richtigerweise nutzen Unternehmen die Chacnen sie sich jetzt bieten, wenn sie können. Das hat wenig mit volkswirtschaftlicher aber viel mit unternehmerischer Verantwortung zu tun. Der volkswirtschaftliche Effekt ist eine Folgeerscheinung, auf den man zwar hinweisen darf, der aber nicht als Beleg für die eigene Wohltätigkeit dienen kann.